Sachbuch

  • WE THE PEOPLE

    Verfassungen, Änderungsanträge, oberste Gerichtsentscheidungen in Verfassungssachen sind in (zumeist westlichen) Rechtsstaaten Alltagsvorgänge, die von der öffentlichen Berichterstattung selten aufgegriffen werden, oft sind die juristischen Vorgänge komplex und nur für Spezialisten nachvollziehbar. Selbst einzelne Abgeordnete können solchen Texten und Regelungen nicht immer folgen. Im Falle des Bundestages erledigt dessen wissenschaftlicher Dienst Stellungnahmen oder Gutachten dazu und steht den Abgeordneten so zur Seite. Wir haben uns daran gewöhnt und schenken dem als Bürger meist kaum Beachtung.

  • Richter Gericht Gerichtsbarkeit

    Die im Dezember 2025 von Thomas Petersen (Allensbach) in der FAZ veröffentlichte Umfrage zum Vertrauen der Bevölkerung in die juristischen Institutionen der Bundesrepublik setzt nicht den allgemeinen Vertrauensverlust in die Institutionen fort, wohl aber sind die Einbußen signifikant. Das Bundesverfassungsgericht als höchste Rechtsprechungsinstanz liegt in der Bewertung vorn, gleichwohl nimmt das Ansehen von 81% (2012) auf 63% ab. Man kann diesen Wert als stabilen Sockel für das Gericht werten, die Tendenz passt jedoch zum allgemeinen Vertrauensverlust. Zudem ist das Interesse an den Entscheidungen aus Karlsruhe nur gering (23%). Noch kritischer scheint jedoch die Selbsteinschätzung der befragten Bürger, die auf die Frage, ob sie selbst bessere Entscheidungen als ein Richter (oder auch Politiker) treffen könnten, zu 48% mit Ja beantworteten. – Politische Bildung wäre hier eine gute Nachhilfe.

  • Kafka misstrauen

    Im „Prometheus-Fragment“ schickt Kafka sich an, dem Mythos einen eschatologischen Gehalt abzuringen. Alle vier Varianten berichten in ihrer Vieldeutigkeit von der Wahrheit des Mythos, dem zündenden Funken, der die Anthropologie des Menschen für immer veränderte, intendieren dasselbe, ohne es auf je gleiche Weise zu formulieren. Anders gesprochen: sie sind nie deckungsgleich in der Sprache, wohl aber ihrem Gehalt nach. Sie enden im Unerklärlichen, Kafka führte das Stück nicht weiter, seine Intention blieb mithin offen.

  • Der Weg zur Freiheit

    Der Wirtschaftsnobelpreisträger, Chefökonom der Weltbank und Professor verschiedener Universitäten in den USA sowie der École polytechnique und Sciences Po Paris, Berater unter Clinton, Leitautor des zweiten Sachstandsbericht des IPCC (1995), vertritt den Neukensianismus mit Total-Modellen, basierend auf mikroökonomischen Grundlagen für makroökonomische Gesamtentwicklungen. Ausgangspunkt dieser Herangehensweise ist die rationale Erwartungshaltung von Haushalten und Unternehmen an ein Marktgeschehen. Da dieses jedoch vielfach von Marktversagen geprägt ist, das sich in unvollkommenem Wettbewerb, Preismanipulation und Lohndumping ausdrückt, können Löhne und Preise nicht flexibel auf Marktschwankungen reagieren, da sie in einem starren Regime feststecken. Die häufige Folge sind fehlerhafte Faktorallokationen, etwa das Verfehlen von Vollbeschäftigung.

  • Die Philosophie der Stoa

    ‚Ach der alte Streit‘, seufzt die Zweite Sophistik, im ‚Phaidros‘ wurde er schon ausgetragen und wir kleben immer noch daran! Wer hält denn nun die Autonomie? Die Philosophie oder eben doch die Rhetorik? Sokrates hatte im ‚Phaidros‘ argumentiert, eine Rhetorik, die auf Wissen beruhe, sei der bloßen Meinung oder möglichen Wahrscheinlichkeiten nach, die zu „Urteilen“ gelange, vorzuziehen. Die ‚Stoa‘ ergänzte, Rhetorik als Wissenschaft sei dem Weisen vorbehalten, mithin einem Menschen, der die vollkommene Einsicht und vollkommene Tugend besitze. Dann unterscheide sich diese Rhetorik von ihrem sophistischen Geschwister, dem es nur an téchnē gelegen sei, um zu überreden, dahin, über sich selbst hinauszuweisen.

  • Thomas Mann. Das Leben als Kunstwerk.

    Ein Leben – ein Roman. Ein Opus magnum in se. Die Forschungsliteratur, ein kontinuierlicher Strom, fiktionale Literatur über Thomas Mann, die Fülle an Schriften lässt sich kaum zählen. Die Biografie Kurzkes als Sonderausgabe hat an Prägnanz und Dichte über die Jahre kaum verloren. Ihr Fokus auf das Leben als Kunstwerk könnte treffender nicht sein. Was zeichnet ein solches Leben aus?

    Werk und Leben in Rückwirkung und Rückbindung, manches von den Zeitverläufen beeinflusst, etwa die ästhetisch-politische Entwicklung des jungen Mannes mit ihren Irrungen und Wirrungen bis hin zum mittleren und späten Autor als einem Verfechter der Demokratie, zumal auf deutschem Boden. Anderes stieg aus den tiefen Schluchten der eigenen Lebensbindung auf und mischte sich mit der vielgestaltigen Motivik im Werk.

  • ZEN in der Kunst des Bogenschießens

    In der Vorrede erklärt Suzuki Teitaro Daisetsu die Schulung des Bewusstseins. 1822 in eine Samurai-Familie geboren, erlebte er die schwierige Zeit der Meji-Restauration, in der die Samurai ihre Privelegien endgültig verloren. Über den Abt Kosen Imakita des Engaku-ji Tempel in Kamakura erhielt er sein erstes Koan. Dessen Nachfolger, Shaku Sōen, führte Suzukis Ausbildung fort. Noch als Novize erlebte er Satori (Erleuchtungs-Ereignis), sein gelöstes erstes Koan. In den Folgejahren war er länger Assistent von Paul Carus in den USA, dessen Werk er im Kloster übersetzt hatte.

  • Gottesreich und Menschenmacht

    Thomas Söding Gottesreich und Menschenmacht Politische Ethik des Neuen Testaments Herder Verlag, Freiburg im Breisgau 2024 640 Seiten, geb., 54.- € Vom Menschenschmied und Gottes Feuer   Klage zu führen vor weltlichen Mächten oder vor Gott ist ebenso menschliches Bedürfnis wie Ritual. Klagen die einen über Missachtung, politische Marginalisierung, Ausbeutung und Versklavung, wettern die anderen…

  • Moralspektakel

    Die Legitimität gesellschaftlichen Handelns als Ganzes knüpfte über lange Zeiträume an die verfassungsrechtliche Verfasstheit der gesellschaftlichen Ordnung an, ergänzt von sozialer Konventionen gewünschter (oder unerwünschter) Sprache. In dieser Lesart konstituiert sich öffentliche Meinung durch selbstständig, rational urteilende Bürger als „Korrelat von Herrschaft“ (E. Noelle-Neumann), mithin einer Korrektur des politischen Parteienwillens mittels Öffentlichkeit. Dies hatte den umfassend, gerade auch politisch gebildeten Bürger zur Voraussetzung, der sich zudem mit der Ethik für die Norm- und Interaktionshandlung im Gemeinwesen auseinandersetzte. Soweit sich die öffentliche Meinung aus einer Vielzahl von publizierten (oder demonstrierten) Einzel- oder Gruppenmeinungen zusammensetzt, bezog sie bislang ihre Legitimität aus der gesellschaftlichen Übereinkunft zum abwägenden Urteil auf Faktenbasis. Darin eingeschlossen war eine aktive Fehlerkorrektur, um Stigmatisierung vorzubeugen und Lernprozesse zu ermöglichen.

  • Angriff auf Deutschland

    Die deutsche Parteienlandschaft und ihre Wählerschaft sind in Bewegung: raus aus der Komfortzone minimaler Schwankungsbreiten und maximaler Stabilität, mäßigen Wirtschaftswachstums gleichwohl mit Wohlstandsaufwuchs, selbstzufriedener Schichten konsensorientierter Mittelstandswähler und eitel uneinsichtiger Eliten, die sich für ihre Erfolge selbst feiern. – So die Sicht derer, die blau wählen. Nicht (nur) aus Protest, inzwischen auch aus Überzeugung, man traut der AfD Problemlösungskompetenz zu.