Sachbuch

  • Die Krieger des alten Japan

    Japan – der Mythos vom Land der Götter, geformt aus drei Tropfen vom Schwert des Götterpaares Izanagi und seiner Frau Izanam und ihrer Stiftung der Göttin Amaterasu, seit Anbeginn gebunden an Spiegel, Schwert, und Krummjuwel, begründet die Erzählung zur Entstehung des Inselreichs.

    Mythen überdauern mit der Lebendigkeit ihrer Bilder, Helden und Geschichten, appellieren an die Fantasie und verbinden sich geschickt mit (oft langfristigen) Prägungen der nationalen Seele. Shinto, Zen und Buddhismus sind die geistigen (bisweilen auch geistlichen) Folien, vor deren Kulissen sich seit der Heian-Zeit, kulminierend im ersten Shogunat von Kamakura (1185), die Kriegerkaste (Schwertadel) professionalisierte. Später würde über das Tokugawa-Shogunat nach langen Kriegen die Reichseinigung erfolgen und für über zwei Jahrhunderte den Abschluss des Landes nach außen diktieren. Die bushi (Schwertkrieger) sollten dabei nicht nur im Kenjutsu höchst kunstfertig agieren; Philosophie, Ethik, Moral, Ehrgefühl, Pflicht und Loyalität waren neben Literatur und Kalligrafie dem Wertekanon der Samurai eingeschrieben.

  • Die vulnerable Gesellschaft

    Gesellschaftliche Entwicklungen verlaufen nicht linear. Projektionen und Stabilitätsvoraussagen sind durch ihre kurze Halbwertzeit gekennzeichnet. Bis 1989 hatte sich die bundesdeutsche Gesellschaft in einer vermeintlichen Homogenität gesehen, die realitätsfern war, ihre Zerklüftung bereits fortgeschritten, mit der Ausdifferenzierung sogenannter Milieus hatte die Fraktalisierung und damit die Komplexität zugenommen. Die Entwicklungen bis 2010 vielfach disruptiv (besonders im Osten), der Schumpetersche Begriff „schöpferischer Zerstörung“ ließ an vielen Stellen das Schöpferische vermissen. Die Nichtbegleitung gesellschaftlicher Umbrüche erzeugte vielerorts Verzweiflung, Machtlosigkeit und Wut. Über den großen Zuwanderungsschub von 2015 erlitten Teile der (konservativ-bürgerlichen) Wähler eine Identitätsirritation, die mit der weiteren Ausdifferenzierung „diverser“ gesellschaftlicher Umfelder und deren Kampf um Anerkennung und politische Repräsentation zu einer Vertiefung des Unverständnisses und Unmuts diesen Kreisen gegenüber führen sollte. Die dazu (teilweise) lautstrak geführte Diskussion löste bei vielen Bürgern ein Gefühl der Überforderung, der Ohnmacht bis hin zu Angst aus. Darauf reagierten sie mit Abwehrmechanismen.

  • Das Erbe des Tennos

    Die japanischen Inseln, geschaffen vom Götterpaar Izanagi und seiner Frau Izanami, Tropfen von einem Schwert hinab auf die See, formten die Küsten und das Land der Berge. Amaterasu, geboren aus dem linken Auge Izanagis, höchste göttliche Autorität, dazu ausersehen das Inselreich zu beschützen, entsandte ihren Enkel Ninigi, das Land zu beherrschen. Spiegel, Schwert und Krummjuwel waren seine Insignien. So geschehen auf Kyushu am Berg Takachiho, eroberte Ninigi die Yamato-Ebene, nahe der (heutigen) Stadt Nara.

  • Der ewige Faschismus

    Umberto Ecos Welterfolg „Il nome della rosa“ ist als Mittelalter-Krimi mit semiotischer Spur auch ein (verborgenes) Glanzstück faschistischer und verschwörerischer Kulturanthropologie. Gleicht sein Brennglas in Händen von William von Baskerville im Streit um die Vita apostolica, dem Armutsgelöbnis der Kirche in Zeiten des Avignonesischen Papsttums, doch einer Skalierungsinstanz vom geringsten Mönchlein hin zu den Vasallen der Macht des Papstes jenen Grundbedingungen, die in der späteren Abstraktion fundamentaler Begriffe den theoretischen Rahmen eröffneten, dem beide Schriften sich widmen. Faschismus und Verschwörung lassen sich dabei als geistige Geschwister beschreiben, die einer extremen Form der Reduktion von Komplexität huldigen, um Weltgeschehen portionierbar sprich verstehbar zu halten. Sie bedienen sich antiintellektueller Werkzeuge, die an unsere stammesgeschichtlichen Instinkte appellieren.

  • Geschichte Japans

    Wie entstehen Reiche? Werden sie mit dem Schwert erschaffen oder benötigen wir zunächst eine orale Tradition, einen Schöpfungsmythos, der identitätsstiftend und integrativ über Generationen wirkt? Schwentker geht dem mit einem detaillierten Blick auf die Frühgeschichte der Besiedlung der japanischen Inseln nach. Er zeigt die Wanderungsbewegungen auf, verbunden mit unterschiedlichen Einflüssen, die durchaus nicht alle dem chinesischen Festland entstammen. Das hatte bereits der Historiker Tsuda Sōkichi mit seinem Diktum von Japan als autochthoner Zivilisation postuliert.

  • Utopie Zukunft Gesellschaft Glück

    Die Angst – und die Mühen des Umbruchs und Aufbruchs
    Betrachten wir Maslows Bedürfnispyramide, stellen wir fest, die Sicherheitsbedürfnisse rangieren direkt oberhalb unserer physiologischen Grundbedürfnisse. Der Mensch sehnt sich nach einem Rahmen, der für ihn verlässlich erscheint, ihm den Eindruck vermittelt, auch in naher Zukunft noch seinen Gewohnheiten nach gehen zu können. Unsere Gesellschaften befinden sich allerdings in einer Phase des Übergangs, der Disruption und Transition. Gesellschaften als Edukationsressourcen brauchen Narrative, um Phasen der Ungewissheit und der Neuausrichtung zu bewältigen, damit ihre kreativen Fähigkeiten erhalten bleiben und für den Neustart genutzt werden können.

  • Theater der Macht

    Etwas oder Jemanden in Szene zu setzen erinnert uns zunächst durchaus zu Recht an eine Dramaturgie auf der Theaterbühne. Bei Proben werden wir Zeuge von minutiös einstudierten Rollen, Handlungsaufbau, der Choreografie und Interaktion der Schauspieler. Die Regie als unsichtbarer Leitfaden, der die Illusion eines spontanen Ablaufs und zufälligen Gefüges vermittelt, das gerade so auch unter uns in unserem persönlichen Lebenskreis stattfinden könnte. Wollten wir auf einen Klassiker blicken, so ist Shakespeare ein Dichter, der die große Kunst des Welttheaters (mit Wirkung bis ins Heute und Morgen) beherrscht. Doch auch in der Antike, der er ja viele Stücke als verklausulierte Emblemata (inscriptio, pictura, subsriptio) widmete, treffen wir auf Dichter, deren hic rhodus, hic salta dem Publikum eine Vorstellung davon geben konnte was gute von schlechter Politik unterschied oder auch mit dem Blick auf jeden Einzelnen, was er persönlich dem Gemeinwesen schuldet, über das er nur klagt. Aristophanes (bei den Griechen) oder Juvenal, Ennius oder Gaius Lucilius stehen dafür. Akteure wie Publikum (als Aktor) sind in einer Klammerfunktion eingeschlossen: es ist in Bezug auf die Gesellschaft immer beides, was wir betrachten müssen.

  • Mit Dolchen sprechen

    Sprechen wir über die Gestaltungskraft, ja Gestaltungsmacht des Menschen, sprechen wir über Emotionen. Ihre bekanntesten Ausdrücke der Gesichtsmimik sind: Freude, Überraschung, Angst, Wut, Ekel, Trauer, Verachtung. In der Geschichte des Theaters etwa im alten Griechenland oder in Japan bediente man sich für die rollenspezifischen Ausdrücke einer Figur oft der Maske. Im japanischen No- oder Kabuki sollten so die stilistischen Mittel der Farce oder der brutalen kriegerischen Auseinandersetzung besonders hervorgehoben werden. Die Basisgefühle zeichneten den Charakter der Maske und damit die Rolle des Schauspielers. Erstaunlich ist, dass die moderne Forschung Physiologie und Mimik in der Zusammenschau ähnlich beschreibt wie sie uns in den Masken von vor über tausend Jahren bereits begegnen.

  • Demokratie braucht Religion

    In einem zunehmend komplexen Weltgeschehen scheint wenig Raum für Ruhe, Reflexion, Stillstand. Die Achtsamkeitsindustrie boomt, Kurse zur Stressbewältigung und Selbstwirksamkeit sind ausgebucht. Indikatoren, die anzeigen, die Gesellschaft ist einer permanenten Überforderung ausgesetzt. Im Hamsterrad vermeintlicher Entwicklungen müssen alle wachsen – oder weichen. Welche Vorstellungen liegen diesem Denkmodell zugrunde?

  • Das Erbe der Bilder

    Der kürzlich verstorbene Autor, weltgewandter Vertreter seiner Profession als Kunsthistoriker (u.a. Wien, Harvard, Rom, New York), geht in der genannten Abhandlung der Frage nach, welche Funktionen Ort und Bild in der Sozialisation des Menschen einnehmen. Liefern sie, metaphorisch gesprochen, Augenblicke kürzerer oder längerer Schatten, in die wir eintauchen, uns mit jener Vertrautheit zu verbinden, deren späterer Verlust uns oft so schmerzt? Verluste erleiden und erdulden wir im Laufe der Zeit viele, ausgedrückt oft in Bildern, einem inneren Archiv, das verbrennt, stirbt ein Mensch.