• Aktuelles im Februar 2023

    Der kürzlich verstorbene Autor, weltgewandter Vertreter seiner Profession (u.a. Wien, Harvard, Rom, New York) als Kunsthistoriker, geht in der genannten Abhandlung der Frage nach, welche Funktionen Ort und Bild in der Sozialisation des Menschen einnehmen. Liefern sie, metaphorisch gesprochen, Augenblicke kürzer oder längerer Schatten, in die wir eintauchen, uns mit jener Vertrautheit zu verbinden, deren späterer Verlust uns oft so schmerzt. Verluste erleiden und erdulden wir im Laufe der Zeit viele, ausgedrückt oft in Bildern, einem inneren Archiv, das verbrennt, stirbt ein Mensch.

  • Aktuelles im Januar 2023

    Eine (halb) unfreiwillige Einladung, eine Rundreise, ein geheimnisvoller Soldat, ein Gewitterunwetter mitsamt einem gefährlichen Unfall. Das Setting in Brandenburg auf der Route eines NATO-Manövers in Polen könnte nicht komplexer sein für die kleine Form einer Novelle. Von Petersdorf gelingt ein formschönes Kunststück: die Integration sechs scheinbar divergenter Stränge in einer hochverdichteten Erzählung multiperspektivischer Fokalisierung auf dem Weg zu einer späten Klimax. Aus dieser (ersten) formalen Sicht ist das bereits kompositorisch für den Leser höchst reizvoll.

  • Aktuelles im Dezember

    Kreativität ist eine Sache für sich: Leerer Bogen, Idee im Kopf, Formulierungen fallen auf das Blatt, Begriffe beargwöhnen sich, drängen sich vor das Auge des Verfassers, vernebeln nicht selten die Zielsetzung. Ruprecht Dalandt, Inhaber eines kleinen Verlages, kämpft mit seinem Vorhaben, einen Dante-Essay zu schreiben. Nicht die einzige Herausforderung, der er sich stellen muss.

  • Aktuelles im September

    Die Entwicklungsleistungen eines Gemeinwesens leiten sich in vergleichbarer Weise aus einer Sozialisation ab, die es dem Einzelnen zuvörderst ermöglicht sich in der Gemeinschaft zurechtzufinden. Ernst-Wolfgang Böckenförde hat das gleichnamige Diktum auf den Punkt formuliert: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“

  • Aktuelles im August

    Das Unsagbare sagen, das Unvorstellbare zeigen, dem Opfer die Stimme geben. Beginnend mit dem Synodalen Weg bis zum Skandal in der größten deutschen Erzdiözese Köln um sogenannte rechtsfehlerhafte Gutachten und die Instrumentalisierung des Betroffenenbeirates, multum non multi. Lärm verbreiten dient den Interessen bestimmter Kreise ebenso wie das große mea culpa, mea maxima culpa. Beides verdeckt was fehlt: die Stimme der Opfer.

  • Aktuelles im Juli

    Jede neue Kunstrichtung beginnt mit einem Irrtum – so ließe sich larmoyant der Kritik entgegenhalten. Festgefahren im Althergebrachten übersieht diese Umbrüche, neue Entwicklungen. Ihrem ästhetizistischen Urteil verfallen Neuerscheinungen, gefällt sie sich doch um ihrer selbst willen.

  • Aktuelles im Juni

    Die Stimme, ein Donnerhall, der Habitus so abstoßend wie furchteinflößend: Pater Dietmar. „Seine massige Gestalt, seine speckigen Cordhosen, sein stechender Blick.“ Die unausweichliche Nähe dieses Mannes ist erdrückend. Das Waldlager, die Exerzitien, die Beichte – an Orten, die nicht einsehbar sind. Mit der Zeit entwickelt sich ein Muster, dem Johanna nicht entgehen kann. Sie ist gerade sechs Jahre alt: „Es ist Winter. Vor dem Fenster zieht Nebel auf, es wird langsam dunkel.“ Im Versammlungsraum an der Wand ein großes Kruzifix.

  • Aktuelles im Mai

    Florida – Sunshine-State. Feuchtwarme Hitze dringt in alle Ritzen, beschert tropische Nächte, die auslaugen, keine Erholung spenden, zumal dann nicht, müssen mehrere Jobs abgearbeitet werden, fressen die Mieten, die Lebenshaltungskosten das Leben derjenigen Menschen auf, die Sunshine nur als Hitzebelastung kennen. – Elf Kurzgeschichten führen uns in dieses Land, zeigen Figuren aus der erodierenden Mittelschicht, die auf verschiedene Weise kämpfen müssen, um ihr Leben zu erhalten.