Klage zu führen vor weltlichen Mächten oder vor Gott ist ebenso menschliches Bedürfnis wie Ritual. Klagen die einen über Missachtung, politische Marginalisierung, Ausbeutung und Versklavung, wettern die anderen gegen Freiheitsbeschränkungen ihrer individuellen Möglichkeiten, ja Ansprüche und Rechte, Macht und Reichtum nach ihrem Gusto auf Kosten der Gemeinschaft zu erlangen. In einer Zeit zunehmender Zerrissenheit von (westlichen) Gesellschaften, die durchaus an die Heillosigkeit vergangener Epochen erinnern, suchen viele Menschen nach einem Halt, einer Orientierung oder auch nach einer ‚Führungspersönlichkeit‘, die vermeintlich ihre Anliegen aufnimmt und transportiert, zu ihrem besten fügt. Mit Kant ließe sich formulieren: diese Menschen pflegen sich bequem einzurichten in ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Denn alles andere, sich engagieren, gar anderen zu helfen, sich zu solidarisieren, beschränkt sich (gerade in den ‚Wohlstandsgesellschaften‘) auf leere Grußadressen. Denn eigentlich geht es uns ja gar nicht so schlecht, oft klagen wir nur um noch mehr, noch besser, noch schöner. Es bleiben blinde Flecken: die Armut vor unserer Tür, die Ungerechtigkeit an sozialer Teilhabe (Bildung), der Umgang mit vulnerablen Gruppen (Ältere, Kranke, Hilfsbedürftige), Krieg vor unserer Haustür.