• Aktuelles im Juli 2025

    ‚Ach der alte Streit‘, seufzt die Zweite Sophistik, im ‚Phaidros‘ wurde er schon ausgetragen und wir kleben immer noch daran! Wer hält denn nun die Autonomie? Die Philosophie oder eben doch die Rhetorik? Sokrates hatte im ‚Phaidros‘ argumentiert, eine Rhetorik, die auf Wissen beruhe, sei der bloßen Meinung oder möglichen Wahrscheinlichkeiten nach, die zu „Urteilen“…

  • Aktuelles im Juni 2025

    Der Kanon japanischer Nationalliteratur (kokubungaku) hat mit dem Beginn der Meji-Restauration einen Wandel vollzogen. Die in der Edo-Zeit entstandene „Nationale Schule“ (kokugaku) mit „bunbu ryōdō“,   bezeichnet als die „beiden Wege der Gelehrsamkeit und der Kriegskunst“, wurde im Verlauf der Zeit zu kokubungaku zusammengeführt und verlor damit ihre vormalige Nomenklatur. Die auf chinesischer Tradition beruhende Gelehrsamkeit…

  • Aktuelles im Mai 2025

    Gott wacht über seine Schöpfung, über ein jedes Wesen mit seinen besonderen Eigenschaften. In Ehrfurcht sollen wir alles bewundern. Die tiefen Weisheiten der Natur, in die Gottes Wort eingeschrieben ist, die uns miterfasst in seinem großen göttlichen Plan, den wir weder verstehen noch ergründen können, uns ihm aber wohl anvertraut wissen dürfen. Dankbarkeit und Demut.

  • Aktuelles im April 2025

    Zeitenläufe ändern sich, wir ändern uns in ihnen: tempora mutantur, nos in illis mutamur. Der Sinnspruch ist als freie Erweiterung aus Ovids „Fasten“ zu verstehen: tempora labuntur tacitisque senescimus annis… Die Zeiten gleiten dahin, und ohne uns die Jahre ins Bewusstsein zu bringen, werden wir alt.[1] Die Umbrüche in den aktuellen Weltenläufen, die wir derzeit miterleben, geben nicht nur Anlass zu Spekulation, also: das-in-den-Spiegel-(der Weisheit?)-schauen, sondern zugleich zu Besorgnis über die künftigen Unsicherheiten, denen wir ausgesetzt sein werden.

  • Aktuelles im März 2025

    Eine gute Vorbereitung ist das halbe Bildungserlebnis, das gilt zumal für eine aufwendige Fernreise. Dieser ausgezeichnete Bildband macht nicht nur Lust auf Japan, er zeigt es in seiner ganzen Vielfältigkeit, seinem Facettenreichtum und ist zugleich eine (ganz kleine) historische Übersicht anhand ausgewählter Ziele. Den Verfassern gelingt eine Japan-Studie, die sowohl dokumentarisch als auch zeitlos, hinreißend schön und ebenso tiefgründig ist. Allerdings: Darauf muss man sich einlassen. Die Texte sind durchweg gut gelungen, bringen alles auf den Punkt, sind aber extrem kurz. Textintensive Begleitlektüre ist daher zu empfehlen.

  • Aktuelles im Februar 2025

    Ein Leben – ein Roman. Ein Opus magnum in se. Die Forschungsliteratur, ein kontinuierlicher Strom, fiktionale Literatur über Thomas Mann, die Fülle an Schriften lässt sich kaum zählen. Die Biografie Kurzkes als Sonderausgabe hat an Prägnanz und Dichte über die Jahre kaum verloren. Ihr Fokus auf das Leben als Kunstwerk könnte treffender nicht sein. Was zeichnet ein solches Leben aus?
    Werk und Leben in Rückwirkung und Rückbindung, manches von den Zeitverläufen beeinflusst, etwa die ästhetisch-politische Entwicklung des jungen Mannes mit ihren Irrungen und Wirrungen bis hin zum mittleren und späten Autor als einem Verfechter der Demokratie, zumal auf deutschem Boden. Anderes stieg aus den tiefen Schluchten der eigenen Lebensbindung auf und mischte sich mit der vielgestaltigen Motivik im Werk.

  • Aktuelles im Januar 2025

    In der Vorrede erklärt Suzuki Teitaro Daisetsu die Schulung des Bewusstseins. 1822 in eine Samurai-Familie geboren, erlebte er die schwierige Zeit der Meji-Restauration, in der die Samurai ihre Privelegien endgültig verloren. Über den Abt Kosen Imakita des Engaku-ji Tempel in Kamakura erhielt er sein erstes Koan. Dessen Nachfolger, Shaku Sōen, führte Suzukis Ausbildung fort. Noch als Novize erlebte er Satori (Erleuchtungs-Ereignis), sein gelöstes erstes Koan. In den Folgejahren war er länger Assistent von Paul Carus in den USA, dessen Werk er im Kloster übersetzt hatte.

  • Aktuelles im November 2024

    高山寺 Kozan-ji, ein Tempel nahe der alten Kaiserstadt Kyoto, Weltkulturerbe der UNESCO, Teil eines umfassenden Ensembles an siebzehn verschiedenen Orten in der Umgebung der Städte Kyōto, Uji und Ōtsu, bergen diese buddhistische Tempel, Shintō-Schreine und eine Burg. Japan-Liebhaber Nooteboom bereist den in Weltabgeschiedenheit liegenden Tempel der Shingon-Lehre. Verwunschen und doch mit majestätischer Kraft der geschulterten Geschichte des Alten Japan hütet dieser kultische Ort die einzigen Rollen der „Lustigen Tiere“. In der Heian-Zeit erbaut und später vom Priester Myōe wieder instandgesetzt, nimmt uns Nooteboom mitten hinein in die alte Kultur Japans, kunstvoll eingefangen durch die Fotos seiner Frau.

  • Aktuelles im Oktober 2024

    Klage zu führen vor weltlichen Mächten oder vor Gott ist ebenso menschliches Bedürfnis wie Ritual. Klagen die einen über Missachtung, politische Marginalisierung, Ausbeutung und Versklavung, wettern die anderen gegen Freiheitsbeschränkungen ihrer individuellen Möglichkeiten, ja Ansprüche und Rechte, Macht und Reichtum nach ihrem Gusto auf Kosten der Gemeinschaft zu erlangen. In einer Zeit zunehmender Zerrissenheit von (westlichen) Gesellschaften, die durchaus an die Heillosigkeit vergangener Epochen erinnern, suchen viele Menschen nach einem Halt, einer Orientierung oder auch nach einer ‚Führungspersönlichkeit‘, die vermeintlich ihre Anliegen aufnimmt und transportiert, zu ihrem besten fügt. Mit Kant ließe sich formulieren: diese Menschen pflegen sich bequem einzurichten in ihrer selbstverschuldeten Unmündigkeit. Denn alles andere, sich engagieren, gar anderen zu helfen, sich zu solidarisieren, beschränkt sich (gerade in den ‚Wohlstandsgesellschaften‘) auf leere Grußadressen. Denn eigentlich geht es uns ja gar nicht so schlecht, oft klagen wir nur um noch mehr, noch besser, noch schöner. Es bleiben blinde Flecken: die Armut vor unserer Tür, die Ungerechtigkeit an sozialer Teilhabe (Bildung), der Umgang mit vulnerablen Gruppen (Ältere, Kranke, Hilfsbedürftige), Krieg vor unserer Haustür.

  • Aktuelles im September 2024

    Die Legitimität gesellschaftlichen Handelns als Ganzes knüpfte über lange Zeiträume an die verfassungsrechtliche Verfasstheit der gesellschaftlichen Ordnung an, ergänzt von sozialer Konventionen gewünschter (oder unerwünschter) Sprache. In dieser Lesart konstituiert sich öffentliche Meinung durch selbstständig, rational urteilende Bürger als „Korrelat von Herrschaft“ (E. Noelle-Neumann), mithin einer Korrektur des politischen Parteienwillens mittels Öffentlichkeit. Dies hatte den umfassend, gerade auch politisch gebildeten Bürger zur Voraussetzung, der sich zudem mit der Ethik für die Norm- und Interaktionshandlung im Gemeinwesen auseinandersetzte. Soweit sich die öffentliche Meinung aus einer Vielzahl von publizierten (oder demonstrierten) Einzel- oder Gruppenmeinungen zusammensetzt, bezog sie bislang ihre Legitimität aus der gesellschaftlichen Übereinkunft zum abwägenden Urteil auf Faktenbasis. Darin eingeschlossen war eine aktive Fehlerkorrektur, um Stigmatisierung vorzubeugen und Lernprozesse zu ermöglichen.