Der Konstitutionalismus als politisches Konstruktionsprinzip der Begrenzung und Repräsentation von gesellschaftlicher Macht findet einen ersten schriftlichen (neuzeitlichen) Ausdruck in der amerikanischen Verfassung, zu deren Entstehungs- und Entwicklungsformen Jill Lepore bereits ein Standardwerk vorgelegt hat. Konstitutiv für diese Verfassung (1787) sind die Gewaltenteilung, der Föderalismus, die Volkssouveränität sowie die Rechtsstaatlichkeit. Eine bis dahin unerhörte zivilisatorische Errungenschaft, die mit großem Blutzoll bezahlt wurde. Im ausgehenden Zeitalter der Aufklärung sollte „der bestirnte Himmel über mir und das moralische Gesetz in mir“ (Kant) richtweisend in der schöpferischen Gestaltung wie auch ihrer reflektierten Selbstbeschränkung gesellschaftliche Entwicklungen mit Maß und Mitte verfolgen. Allerdings war Kant sich durchaus über „das krumme Holz des Menschen“ bewusst: nichts Gerades ließe sich daraus zimmern. Die Fehlbarkeit des Menschen ist die Kehrseite seiner Wachstumsmöglichkeiten. Es bleibt die unauflösliche Frage, zu wessen Nutzen er beides gestaltet.
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