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Via Conci
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Leipziger-Buchmesse-2019 (3)

Die vulnerable Gesellschaft

Gesellschaftliche Entwicklungen verlaufen nicht linear. Projektionen und Stabilitätsvoraussagen sind durch ihre kurze Halbwertzeit gekennzeichnet. Bis 1989 hatte sich die bundesdeutsche Gesellschaft in einer vermeintlichen Homogenität gesehen, die realitätsfern war, ihre Zerklüftung bereits fortgeschritten, mit der Ausdifferenzierung sogenannter Milieus hatte die Fraktalisierung und damit die Komplexität zugenommen. Die Entwicklungen bis 2010 vielfach disruptiv (besonders im Osten), der Schumpetersche Begriff „schöpferischer Zerstörung“ ließ an vielen Stellen das Schöpferische vermissen. Die Nichtbegleitung gesellschaftlicher Umbrüche erzeugte vielerorts Verzweiflung, Machtlosigkeit und Wut. Über den großen Zuwanderungsschub von 2015 erlitten Teile der (konservativ-bürgerlichen) Wähler eine Identitätsirritation, die mit der weiteren Ausdifferenzierung „diverser“ gesellschaftlicher Umfelder und deren Kampf um Anerkennung und politische Repräsentation zu einer Vertiefung des Unverständnisses und Unmuts diesen Kreisen gegenüber führen sollte. Die dazu (teilweise) lautstrak geführte Diskussion löste bei vielen Bürgern ein Gefühl der Überforderung, der Ohnmacht bis hin zu Angst aus. Darauf reagierten sie mit Abwehrmechanismen.

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Lichtspiel

Die Fiktionaliserung historischer Persönlichkeiten birgt nicht selten ein faustisches Kompositionsmoment, das dem Verlauf der zu erzählenden Geschichte seinen Stempel aufdrückt. Die wilde Fahrt mit dem Bösen kann der Leser als Zugestiegener durchaus nachempfinden, ihr Sog ist bislweilen ungehemmt bis unwiderstehlich, und doch wird sie bei Kelhmann immer wieder gebrochen: über den Gang der (realen) Ereignisse, dem flüchtigen Eingriff des Schicksals in das Erleben der Figuren oder auch schlicht ihren Felentscheidungen geschuldet.

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Das Erbe des Tennos

Die japanischen Inseln, geschaffen vom Götterpaar Izanagi und seiner Frau Izanami, Tropfen von einem Schwert hinab auf die See, formten die Küsten und das Land der Berge. Amaterasu, geboren aus dem linken Auge Izanagis, höchste göttliche Autorität, dazu ausersehen das Inselreich zu beschützen, entsandte ihren Enkel Ninigi, das Land zu beherrschen. Spiegel, Schwert und Krummjuwel waren seine Insignien. So geschehen auf Kyushu am Berg Takachiho, eroberte Ninigi die Yamato-Ebene, nahe der (heutigen) Stadt Nara.

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Sund

Die Insel, im Norden, im Sund, vor der Küste Dänemarks. Die flache Dünung, der Blick von oben, gemalt mit blauer Tusche, meditativ. Metallisches Klicken, Fahnen in leichter Brise. Innen und Außen – Nebel in der Bucht im Spätsommer. Wie gehen wir mit der inneren Unschärfe unserer äußeren Wahrnehmung um?

Lichtblaus Ich-Erzählerin signalisiert bereits zu Beginn ihre Unsicherheit, ihre Angst, versteckt hinter forschem Auftreten. Sie wartet auf ihre intime Geliebte. Sehnsucht mischt sich mit Vorwürfen. Ein Tupfen absurdes Theater im Setting durchzieht den Nebel. Von der nahegelegenen Insel „Lykke“ wehen in der Nacht Gespenstergesänge zum Festland herüber. Doch nicht das romantisch-mythische treibt die Erzählerin zur Reise auf die Insel, es sind Vermutungen, die im Verlauf ihrer Recherche zu unausweichlichen Fakten werden. Sie fürchtet diese Sirenenstimmen, doch der innere Zwang auf der Suche nach (historischer) Schuld überwindet die Furcht.

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Der ewige Faschismus

Umberto Ecos Welterfolg „Il nome della rosa“ ist als Mittelalter-Krimi mit semiotischer Spur auch ein (verborgenes) Glanzstück faschistischer und verschwörerischer Kulturanthropologie. Gleicht sein Brennglas in Händen von William von Baskerville im Streit um die Vita apostolica, dem Armutsgelöbnis der Kirche in Zeiten des Avignonesischen Papsttums, doch einer Skalierungsinstanz vom geringsten Mönchlein hin zu den Vasallen der Macht des Papstes jenen Grundbedingungen, die in der späteren Abstraktion fundamentaler Begriffe den theoretischen Rahmen eröffneten, dem beide Schriften sich widmen. Faschismus und Verschwörung lassen sich dabei als geistige Geschwister beschreiben, die einer extremen Form der Reduktion von Komplexität huldigen, um Weltgeschehen portionierbar sprich verstehbar zu halten. Sie bedienen sich antiintellektueller Werkzeuge, die an unsere stammesgeschichtlichen Instinkte appellieren.

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Geschichte Japans

Wie entstehen Reiche? Werden sie mit dem Schwert erschaffen oder benötigen wir zunächst eine orale Tradition, einen Schöpfungsmythos, der identitätsstiftend und integrativ über Generationen wirkt? Schwentker geht dem mit einem detaillierten Blick auf die Frühgeschichte der Besiedlung der japanischen Inseln nach. Er zeigt die Wanderungsbewegungen auf, verbunden mit unterschiedlichen Einflüssen, die durchaus nicht alle dem chinesischen Festland entstammen. Das hatte bereits der Historiker Tsuda Sōkichi mit seinem Diktum von Japan als autochthoner Zivilisation postuliert.

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